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Ich stand einmal in Edinburgh

01.01.2019
Original language : German

Von kälteresistenten Partylöwinnen, liebenswürdig-pampigen Busfahrern und einer noch recht unbedarften Deutschen.

Ich stand einmal in Edinburgh
und fror ganz jämmerlich.
Ich war erst ein paar Stunden da,
mein Bus noch nicht in Sicht.
An mir vorbei schwebten grazil
zwei Scottish lassies im Gespräch.
Am Körper trugen sie nicht viel,
zu stören schien’s sie nicht.
Da stand ich nun vor Ehrfurcht fahl
und fummelte an meinem Schal,
ganz aus dem Gleichgewicht.

Plötzlich ein Licht am Firmament!
Nein, zwei, es ist ein Bus!
Mich nun nur noch die Bustür trennt
von warmer Heizungsluft.
Ich stieg schnell ein und fühlte gleich
wie Seide leicht und Wasser weich
die Wärme mich umfangen.
Fast glaubte da mein kaltes Ohr,
dass Engelschöre sangen.

Ganz arglos ging ich Deutsche jetzt
am Busfahrer vorbei.
Wie hatte ich mich da verschätzt,
denn los ging das Geschrei:
„Oi you!“ kam’s hinterdrein gebrüllt,
meine Entspannung wich.
Der Bus war zwar ganz gut gefüllt,
gemeint war trotzdem ich.
Von kurzer Dauer war mein Glück,
ich drehte um und ging zurück,
hochrot war mein Gesicht.

„Your ticket!“, maulte er mich an
und just kam bei mir dieses an:
Dass schottische Gepflogenheit
doch eine gänzlich andre bleibt.
Ich schrumpfte unter seinem Blick
und war tatsächlich arg geknickt,
kaum da, hatt ich’s vergeigt.
Nun war ich freilich sehr bedacht,
mein Tun ihm zu erklären.
Mein Herz ging auf als er nur lacht
und mich dann ließ gewähren.

Am Schluss noch dieser Zeilen Sinn,
kein Missverständnis hier:
Dass andre Länder anders sind,
und doch gibt es ein „Wir“.

Annika Dürr

Von kälteresistenten Partylöwinnen, liebenswürdig-pampigen Busfahrern und einer noch recht unbedarften Deutschen.

Ich stand einmal in Edinburgh
und fror ganz jämmerlich.
Ich war erst ein paar Stunden da,
mein Bus noch nicht in Sicht.
An mir vorbei schwebten grazil
zwei Scottish lassies im Gespräch.
Am Körper trugen sie nicht viel,
zu stören schien’s sie nicht.
Da stand ich nun vor Ehrfurcht fahl
und fummelte an meinem Schal,
ganz aus dem Gleichgewicht.

Plötzlich ein Licht am Firmament!
Nein, zwei, es ist ein Bus!
Mich nun nur noch die Bustür trennt
von warmer Heizungsluft.
Ich stieg schnell ein und fühlte gleich
wie Seide leicht und Wasser weich
die Wärme mich umfangen.
Fast glaubte da mein kaltes Ohr,
dass Engelschöre sangen.

Ganz arglos ging ich Deutsche jetzt
am Busfahrer vorbei.
Wie hatte ich mich da verschätzt,
denn los ging das Geschrei:
„Oi you!“ kam’s hinterdrein gebrüllt,
meine Entspannung wich.
Der Bus war zwar ganz gut gefüllt,
gemeint war trotzdem ich.
Von kurzer Dauer war mein Glück,
ich drehte um und ging zurück,
hochrot war mein Gesicht.

„Your ticket!“, maulte er mich an
und just kam bei mir dieses an:
Dass schottische Gepflogenheit
doch eine gänzlich andre bleibt.
Ich schrumpfte unter seinem Blick
und war tatsächlich arg geknickt,
kaum da, hatt ich’s vergeigt.
Nun war ich freilich sehr bedacht,
mein Tun ihm zu erklären.
Mein Herz ging auf als er nur lacht
und mich dann ließ gewähren.

Am Schluss noch dieser Zeilen Sinn,
kein Missverständnis hier:
Dass andre Länder anders sind,
und doch gibt es ein „Wir“.

Annika Dürr

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