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Brauchtum im Wandel: welche Feste und Brauchtümer werden wohl die nächsten Jahre überdauern?

26.09.1973 - 26.09.2021
Original language : German

Das 100-jährige Bestehen des Burgenlandes im Jahr 2021 war Anlass zum Reflektieren. Da ich gerne in alten Fotos stöbere, fiel mir auf, dass sich mit den Jahren die Festkultur sehr gewandelt hat und es ungewiss ist, welche Brauchtümer überleben werden.

Zum einen gibt es einiges oft gar nicht mehr, wie z. B. Maifeste oder Sonnwendfeiern, zum anderen haben sich einige Feste verändert, wie beispielsweise das Osterfeuer, das in einigen Orten gar nicht mehr entzündet wird, dafür in anderen Gemeinden zu einem Event gewachsen ist, wo dafür sogar Eintritt verlangt wird. Auch das einfache „Krampus-schrecken“ am 5. Dezember ist nun zu Perchtenlauf-Events angewachsen, die vom November an bis in den Jänner stattfinden, wobei sich Perchten, ursprünglich aus dem alpenländischen Raum, in den letzten Jahren auch im östlichen Flachland etabliert haben. Es gibt auch weitere trendige Feiern, die von außerhalb ins Burgenland gefunden haben, wie Trachtenkirtage, Oktoberfeste oder Halloweenpartys. Ein anschauliches Beispiel, auch für die fortschreitende Säkularisierung, ist des Erntedankfest in Lockenhaus. In den 1970er Jahren wurde im Burgenland das Erntedankfest im Bezirk oder Dekanat groß gefeiert. Obwohl vom Grunde religiös motiviert, war es gleichzeitig eine Art Wirtschaftsschau, mit einem Festzug von Wagen, die von verschiedenen Vereinen oder Gewerbebetrieben gestaltet wurden. Hunderte Menschen kamen aus der gesamten Region zusammen, jedes Jahr in einer anderen Gemeinde, weshalb solche großen Zusammenkünfte auch für politische Präsentation genutzt wurde. Die Bilder aus den 1980er Jahren zeigen den Beginn des Erntedankfestes auf dem Platz vor der Hauptschule in Lockenhaus, welcher groß genug war für die vielen Menschen, die dann in einer langen Prozession mit zahlreichen Ministranten in die Kirche zogen, um dort den Gottesdienst weiter zu feiern. 2021 nahmen weit weniger Menschen am Erntedankfest teil und immerhin noch zwei Ministranten, wohl auch der seit 2020 noch immer andauernden Covid-19 Pandemie geschuldet. Immer weniger Menschen sind bereit, sich ehrenamtlich für das Gemeinwohl einzusetzen und es ist spannend zu sehen, welche Feste und Brauchtümer die nächsten Jahre überdauern werden. Rita Loibl

Das 100-jährige Bestehen des Burgenlandes im Jahr 2021 war Anlass zum Reflektieren. Da ich gerne in alten Fotos stöbere, fiel mir auf, dass sich mit den Jahren die Festkultur sehr gewandelt hat und es ungewiss ist, welche Brauchtümer überleben werden.

Zum einen gibt es einiges oft gar nicht mehr, wie z. B. Maifeste oder Sonnwendfeiern, zum anderen haben sich einige Feste verändert, wie beispielsweise das Osterfeuer, das in einigen Orten gar nicht mehr entzündet wird, dafür in anderen Gemeinden zu einem Event gewachsen ist, wo dafür sogar Eintritt verlangt wird. Auch das einfache „Krampus-schrecken“ am 5. Dezember ist nun zu Perchtenlauf-Events angewachsen, die vom November an bis in den Jänner stattfinden, wobei sich Perchten, ursprünglich aus dem alpenländischen Raum, in den letzten Jahren auch im östlichen Flachland etabliert haben. Es gibt auch weitere trendige Feiern, die von außerhalb ins Burgenland gefunden haben, wie Trachtenkirtage, Oktoberfeste oder Halloweenpartys. Ein anschauliches Beispiel, auch für die fortschreitende Säkularisierung, ist des Erntedankfest in Lockenhaus. In den 1970er Jahren wurde im Burgenland das Erntedankfest im Bezirk oder Dekanat groß gefeiert. Obwohl vom Grunde religiös motiviert, war es gleichzeitig eine Art Wirtschaftsschau, mit einem Festzug von Wagen, die von verschiedenen Vereinen oder Gewerbebetrieben gestaltet wurden. Hunderte Menschen kamen aus der gesamten Region zusammen, jedes Jahr in einer anderen Gemeinde, weshalb solche großen Zusammenkünfte auch für politische Präsentation genutzt wurde. Die Bilder aus den 1980er Jahren zeigen den Beginn des Erntedankfestes auf dem Platz vor der Hauptschule in Lockenhaus, welcher groß genug war für die vielen Menschen, die dann in einer langen Prozession mit zahlreichen Ministranten in die Kirche zogen, um dort den Gottesdienst weiter zu feiern. 2021 nahmen weit weniger Menschen am Erntedankfest teil und immerhin noch zwei Ministranten, wohl auch der seit 2020 noch immer andauernden Covid-19 Pandemie geschuldet. Immer weniger Menschen sind bereit, sich ehrenamtlich für das Gemeinwohl einzusetzen und es ist spannend zu sehen, welche Feste und Brauchtümer die nächsten Jahre überdauern werden. Rita Loibl