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Begegnungen mit Karl Prantl: Der Mann, der mit den Steinen sprach

30.08.2021 - 02.09.2021
Original language : German

Bei einem Kurzurlaub nach Nürnberg im September 2021 entdeckten wir am Hauptmarkt ein wenig überraschend Werke von Karl Prantl. Die Begegnung löste viele Erinnerungen an diesen großen Künstler aus unserem Heimatort Pöttsching aus.

Im September 2021 besuchten wir für einige Tage Nürnberg und versuchten dabei die bedrückende NS-Geschichte der Stadt mit dem pulsierenden Leben der Gegenwart zu verknüpfen. Unerwartet stießen wir dabei am Hauptplatz auf eine Skulptur, die wir schon aus einiger Entfernung mit „das muss doch ein Stein von Karl Prantl sein“ richtig zuordneten. Karl Prantl lebte in unserem Heimatort Pöttsching und ist uns mit vielen persönlichen Begegnungen in Erinnerung. Pöttsching hat auch das Glück, dass sich am Ortstrand eine einzigartige Skulpturenlandschaft mit Werken von ihm und namhaften Künstlern aus seinem Umfeld befindet. Dass wir Werke von ihm in Nürnberg entdecken würden, war eigentlich gar nicht so unerwartet. Dort arbeitete er im Sommer 1971 auf dem Hauptmarkt und ließ die Passanten an der Ausarbeitung des Granitquaders teilhaben. Seine Arbeit war immer eine sinnlich-spirituelle Auseinandersetzung. Oft erzählte er uns, dass der Stein "ein Wesen ist - wie du und ich". "Am längsten lebt der Stein, dann kommt der Baum, erst dann kommt der Mensch.“ Seine Steine sollen aufmerksam machen auf etwas, das über unser Leben hinausweist, sie sind ein "Vehikel, als Mittel zur Findung des Geistigen". Mit Nürnberg verbindet Prantl auch eine intensive Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. Immer wieder schafft er mit Steinplatten aus der Aufmarschstraße des Reichsparteitagsgeländes Gedenkplätze. Wir fanden solche bei der Lorenzkirche, in Wien, aber auch bei uns in Pöttsching. Es sind besondere Steine. Sie verweisen auf die Verfolgten, aber auch auf die vielen, oft ahnungslosen Menschen, die in Massen zum Gelände gebracht und anschließend in den Krieg geschickt wurden, um wieder zu marschieren – oft in den Tod oder in Gefangenschaft. Prantl starb 2010 und ist in Pöttsching begraben. Unvergesslich bleiben die Gespräche mit ihm bei seinen Steinen, wo wir einfach nur zuhörten und unzählige Eindrücke über sein Denken, seine Gefühle und auch seinen Glauben mitnehmen konnten. Walter & Margaretha

Bei einem Kurzurlaub nach Nürnberg im September 2021 entdeckten wir am Hauptmarkt ein wenig überraschend Werke von Karl Prantl. Die Begegnung löste viele Erinnerungen an diesen großen Künstler aus unserem Heimatort Pöttsching aus.

Im September 2021 besuchten wir für einige Tage Nürnberg und versuchten dabei die bedrückende NS-Geschichte der Stadt mit dem pulsierenden Leben der Gegenwart zu verknüpfen. Unerwartet stießen wir dabei am Hauptplatz auf eine Skulptur, die wir schon aus einiger Entfernung mit „das muss doch ein Stein von Karl Prantl sein“ richtig zuordneten. Karl Prantl lebte in unserem Heimatort Pöttsching und ist uns mit vielen persönlichen Begegnungen in Erinnerung. Pöttsching hat auch das Glück, dass sich am Ortstrand eine einzigartige Skulpturenlandschaft mit Werken von ihm und namhaften Künstlern aus seinem Umfeld befindet. Dass wir Werke von ihm in Nürnberg entdecken würden, war eigentlich gar nicht so unerwartet. Dort arbeitete er im Sommer 1971 auf dem Hauptmarkt und ließ die Passanten an der Ausarbeitung des Granitquaders teilhaben. Seine Arbeit war immer eine sinnlich-spirituelle Auseinandersetzung. Oft erzählte er uns, dass der Stein "ein Wesen ist - wie du und ich". "Am längsten lebt der Stein, dann kommt der Baum, erst dann kommt der Mensch.“ Seine Steine sollen aufmerksam machen auf etwas, das über unser Leben hinausweist, sie sind ein "Vehikel, als Mittel zur Findung des Geistigen". Mit Nürnberg verbindet Prantl auch eine intensive Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. Immer wieder schafft er mit Steinplatten aus der Aufmarschstraße des Reichsparteitagsgeländes Gedenkplätze. Wir fanden solche bei der Lorenzkirche, in Wien, aber auch bei uns in Pöttsching. Es sind besondere Steine. Sie verweisen auf die Verfolgten, aber auch auf die vielen, oft ahnungslosen Menschen, die in Massen zum Gelände gebracht und anschließend in den Krieg geschickt wurden, um wieder zu marschieren – oft in den Tod oder in Gefangenschaft. Prantl starb 2010 und ist in Pöttsching begraben. Unvergesslich bleiben die Gespräche mit ihm bei seinen Steinen, wo wir einfach nur zuhörten und unzählige Eindrücke über sein Denken, seine Gefühle und auch seinen Glauben mitnehmen konnten. Walter & Margaretha